Gedanken zur Jahreslosung 2008

Leben ist das Thema


"Ich lebe und ihr sollt auch leben" (Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 19)

Jesus Christus spricht: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." Wenn man die Jahreslosung für 2008 anschaut, muss man sagen: Das Neue Jahr beginnt mit einem Abschiedswort. Das 14. Kapitel des Johannesevangeliums führt uns in die Mitte der Abschiedsreden Jesu. Jesus deutet hier sein Geschick. Er spricht von seinem Weg zu Gott, von der Gabe des Heiligen Geistes und vom Frieden, der bleibt. Das Neue Jahr beginnt mit einem Abschiedswort. Das erinnert auch daran, dass es für Christinnen und Christen eine geistliche Aufgabe sein kann, abschiedlich zu leben. Wenn wir die Realität nicht verdrängen, muss man anerkennen: Mit jedem Neuen Jahr kommen auch neue Abschiede auf uns zu. Vielleicht hört sich das zunächst deprimierend an. Doch "abschiedlich leben" in geistlicher Sicht heißt: Genieße, was du hast. Akzeptiere, dass du mit leeren Händen kommst und dass du mit leeren Händen gehst. Insofern blendet ein solches Abschiedswort die Veränderungen in unserem Leben nicht aus, nicht die guten und auch nicht die, die uns schwer sind. Dadurch haben wir dich Chance zu erkennen, was für eine wichtige Rolle das Loslassen jeden Tag spielt und wir lernen vielleicht, in Kenntnis der eigenen Ressourcen, das Neue Jahr unter Gottes Führung achtsamer, entspannter und dankbarer zu gestalten.

Die "Evangelische Brüder-Unität / Herrnhuter Brüdergemeine" sorgt dafür, dass jedes Jahr die täglichen Losungen und Lehrtexte in rund 50 Sprachen erscheinen. Bekannt ist diese kleine Gemeinschaft auch durch die Herrnhuter Sterne, die zur Advents- und Weihnachtszeit in vielen Wohnungen und Kirchen leuchten.

Leben ist das Thema. Und das ist im Evangelium immer ganz persönlich gemeint. "Lebe, was du vom Evangelium verstanden hast, und sei es noch so wenig, aber lebe es", so hat es Roger Schutz gesagt. Oder in der Überlieferung der jüdischen Tradition: Ein junger Mann sucht zum ersten Mal einen Rabbi auf. Der fragt ihn, was er denn bisher getan habe. Seine Antwort: "Ich bin dreimal den ganzen Talmud durchgegangen." "Gut", sagt der Rabbi. "Aber wie viel vom Talmud ist durch dich gegangen?" Das ist die Frage, die uns allen gestellt ist. Will sagen: Es geht immer um den unmittelbaren Kontakt zum biblischen Wort und um das eigene Leben. Die Wahrheit des Wortes Gottes kann sich nur persönlich entfalten. Wo auch sonst? Und nur so können wir es auch weitergeben - so dass es das Leben der anderen in der Tiefe erreicht. Auch jede soziale Wirkung des Evangeliums hat hier ihren Anfang und Grund. Leben wir anders und leben wir Kirche anders, sind wir unter dem Druck knapper Ressourcen rasch dabei, wechselnden Marktlagen nachzujagen, bieten mal dieses, mal jenes an, nur um auch für den kirchlichen Bereich so etwas wie eine kommunizierbare Leistungsbilanz zu hinterlassen.

Möge 2008 ein möglichst lebendiges Jahr für uns alle werden. Wenn wir verstehen möchten, was das heißt, können wir bei Jesus in die Schule gehen. Und wir werden sehen, dass sich im Kern alles um die Liebe dreht. Damit sind wir täglich in neue Aufbrüche gestellt. Damit ist die Jahreswende ein Ausgangspunkt, der gesegnet ist, wenn wir uns stets von Neuem für den Weg der Liebe und der Leidenschaft engagieren. An Christus können wir sehen - es ist allein dieser Weg, der letztlich trägt und der zu Lebenssteigerung führt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute und verheißungsvolle Tage und ein erfülltes Jahr 2008.


Propst Schuetz Von Dr. Klaus-Volker Schütz
Propst für Rheinhessen

Als Propst für Rheinhessen gehört Pfarrer Dr. Klaus-Volker Schütz dem Leitenden Gesitlichen Amt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an.





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