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Auf die Wachstumskräfte des Glaubens vertrauen "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" (Jesaja 43,19) Aufbruchstimmung verbreiten, das will der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes. Er will Mut zu Neuem machen. Und da er weiß, wie groß die Macht der Gewohnheit ist, mahnt er in dem davorstehenden Vers eindringlich: "Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!" Das müsste den Menschen, an die der Prophet Gottes diese Worte zuallererst richtet, eigentlich eingeleuchtet haben. Es waren jene Israeliten, die von den Babyloniern ins Exil verschleppt worden waren. Seit Jahrzehnten saßen sie an den Flüssen Babylons und weinten, wie es der Psalm 137 dichtet und die deutsche Popgruppe Boney M. in ihrem Titel "Rivers of Babylon" nachgesungen hat. Nun hören die weinenden Israeliten vom Propheten, dass Gott sein Volk in die Freiheit führen will. Sie sollen in ihr Land zurückkehren. Aufbruchstimmung. "Siehe, ich will ein Neues schaffen." In unseren heutigen Ohren klingen diese Worte nicht unbedingt so verheißungsvoll. Vieles von dem, was heute als Neues und als Veränderung angepriesen wird, entpuppt sich als Verschlechterung, als Reduktion, als Kürzung. Aber auch damals klangen diese Worte nicht so eindrucksvoll, wie es scheinen mag. Das zeigt schon die etwas bange Nachfrage "Erkennt ihr's denn nicht?" Die Israeliten waren zwar in der Verbannung. Aber so schlecht ging es ihnen da gar nicht. Sie hatten sich eingerichtet, wie es ihnen zuvor ein anderer Prophet, Jeremia, gesagt hatte. Diese Zeit ist nun zu Ende, kommt die neue Botschaft des Propheten Jesaja. Gott ruft sein Volk aus dem Exil. Aber die Freiheit ist ungewiss. Das Land Israel und seine Gesellschaft sind zerfallen. Alles ist in einem desolaten Zustand. Mit einer ungewissen, ja gefährlichen Zukunft vor Augen kann ein Exil durchaus den Charme einer ge- sicherten Existenz entfalten. Die Zukunft gewinnt allerdings nur, wer nach vorne blickt und bereit ist, Neues zu gestalten. Auch unsere Gesellschaft und unsere Kirche werden Neues wagen müssen. Vieles, was unserem Leben bisher Stabilität geboten hat, ist brüchig geworden. Die Kirche steckt heute in einer Art babylonischer Gefangenschaft. Äußerlich betrachtet geht es ihr nicht unbedingt schlecht. "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" (Jesaja 43,19) Aber sie ist gefangen in einer gefühlten Abwärtsspirale, die sich wie ein Naturgesetz zu vollziehen scheint: Weniger Mitglieder, weniger Mittel, weniger Überzeugungskraft. In dieser Situation spricht Gott zu uns: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" Aufbruchstimmung – auch bei uns? So verstehe ich die Jahreslosung, als Aufruf zu einem Mentalitätswechsel, wie ihn Jesaja auch dem Volk Israel nahe gelegt hat: Klammert euch nicht an das, was ihr habt oder was gewesen ist! Beklagt nicht eure angebliche Hilflosigkeit! Findet stattdessen die Wachstumskräfte des Glaubens wieder, denn ich komme euch aus der Zukunft entgegen. So wie ich damals die Heimkehr Israels geschehen ließ, indem ich den persischen Feldherrn Kyros gegen Babylon aufbot, so will ich auch für euch sorgen. Seht genau hin, prüft alles, beachtet die Risiken – und seht die Chancen, die sich bieten! Gerade weil wir aufgrund der demographischen Entwicklung zahlenmäßig weiter schrumpfen, müssen wir geistlich wachsen wollen: Aufbruchstimmung im Vertrauen auf Gott, der seine Kirche liebt. Lernen wir, Gottes Zusagen zu vertrauen. Und lernen wir, von unserem Glauben so offen und frei zu sprechen, dass er andere ansteckt! Ich hoffe, dass die Prioritätendebatte, die die Kirchensynode im neuen Jahr 2007 aufnehmen wird, von einer solchen Aufbruchstimmung getragen wird. Dann würde sie nicht nur eine Perspektive bis 2025 entwerfen, sondern weit darüber hinaus. Auch allen Leserinnen und Lesern wünsche ich etwas von dieser Aufbruchstimmung, die sich auf Vertrauen in Gott stützt. Die Jahreslosung macht Mut zum neuen Jahr mit seinen neuen Möglichkeiten.
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